2.2.2 Tentativiät und Unbestimmtheit
Wenn man eine neue Information bekomme (egal über und durch welchen Weg) ist man in einer Konfrontation mit einer anderen Weltsicht. Marotzki gibt dabei zwei Möglichkeiten an wie man mit dieser Konfrontation umgehen kann. Im ersten Fall nimmt man das Neue einfach in die eigenen Schemata auf und subsumiere es darunter. Das heißt ein Einzelfall wird in das Bekannte aufgenommen. Hierbei sagt er weiter wenn man das Fremde unterordnet dann bildet es das Allgemeine, bildet die Regle die Grundlage und den Ausgangspunkt. (Marotzki, 2008, S. 19). Salopp gesagt kann man es mit dem Filmtitel: „Was nicht passt, wird passend gemacht“, zusammenfassen.
Die zweite Möglichkeit wäre das man das ganze umdreht. Das man nicht das Fremde unterordnet und sonder dies zur Grundlage macht und erst durch das Fremde neue Regel, Kategorien sucht. Wir bezeichnen diese Art des suchenden, immer unter dem Vorbehalt des „Als-ob“ agierenden Selbst- und Weltverhältnis als Tentativität. (Marotzki, 2008, S. 19). Weiter sagt er dass wir durch das finden oder erfinden das zunächst unverständliche zu etwas Verstehbarmen machen.
Ich versuche mir das ganze an einem kleinen Beispiel deutlich zu machen. Wenn man mir einen Apfel gibt und dieser ist lila, dann würde ich mich zunächst über die Farbe wundern aber es wäre für mich ein Apfel und ich könnte ihn unter meine Kategorie „Farben von Äpfel“ einsortieren. Wenn ich aber davon ausgehe das ich diesen Apfel in der Farbe Lila als Grundlage nehme dann würde ich eine neue Kategorie aufbauen die vielleicht heißen würde „Äpfel aus anderen Ländern können andere Farben haben“.
So wirklich glücklich bin ich mit diesem Beispiel noch nicht. Wenn ich ein besseres finde werde ich es hier ergänzen. Der Bereich der Unbestimmtheit und Bestimmtheit ist mir leider noch nicht ganz klar geworden. Ich hoffe dass ich an dieser Stelle meinen Text bald noch ergänzen kann.
2.2.3 Bildung vs. Lernen: ein lerntheoretischer Exkurs
In diesem Abschnitt wird im Besonderen auf das klassische Lernmodell von Gregory Bateson Bezug genommen. Die Autoren Marotzki und Jörissen übernehmen die Zählweise nicht die Bateson verwendet sonder unterscheiden in Lernen I und Lernen II sowie in Bildung I und Bildung II. Im Weiteren werde ich versuchen zu klären was unter den einzelnen Begriffen verstanden wird.
Lernen I: Diese Variante zählen sie zu der einfachsten. Hierbei geht es um die Koppelung eines Reizes an eine Reaktion. Es gibt dabei keinen Versuch und Irrtum sonder auf einen bestimmten Reiz folgt eine bestimmte Reaktion. Versuch eines Beispiels: Immer wenn ich jemanden niesen höre sage ich Gesundheit.
Lernen II: Hierbei geht es ebenfalls um eine Reaktion auf einen Reiz aber diese ist nicht starr gekoppelt. Man kann auf dieser Ebene schon Kontexte mit einbeziehen und hat einen größeren Handlungsspielraum. Als Leistung auf dieser Ebene wird Kontextmarkierung zu erkennen und einzuordnen gesehen.
Versuch eines Beispiels: Immer wenn ich jemanden niesen höre will ich Gesundheit sagen aber in einem vollbesetzten Theatersaal würde das unpassend erscheinen.
Im Weiteren gehen die Autoren auf den Unterschied von Lernen I und Lernen II unter dem Aspekt von Bestimmtheit und Unbestimmtheit ein. (Wenn ich mit den Begrifflichkeiten klar komme folgt hier eine Ergänzung). Die Lernebene die sich zwischen Lernen I und Lernen II befindet nennen die Autoren eine Flexibilisierung der Reizreaktion. (Marotzki, Jörissen, 2008, S. 23) Diese findet mittels bzw. innerhalb der Rahungen statt. Diese können aber noch keine Neu- und Umorientierung erfahren. Dafür brauche wir eine weitere Lernbene.
Um diese weitere Lernebene zu erläutern nutzen sie nun die Begriffe Bildung I und Bildung II. Hierbei geht es also um die Flexibilisierung der Rahmen selber. (Marotzki, Jörissen, 2008, S. 23)
Bildung I: Um meine kontextspezifischen Verhaltensmuster zu ändern muss ich zunächst gegen Wiederstände arbeiten. Nur weil sich etwas verändert hat ist das „alte“ nicht falsch oder unbrauchbar. Die meisten Muster haben sich früh etabliert und diese sind schon unterbewusst abgelaufen. Man hat sich gar keine Gedanken darüber gemacht dass dies auch anders sein könnte, dafür hat es ja auch keinen Anstoß gegeben. Aber wenn sich dann eine Orientierungskrise ergeben hat muss man lernen damit umzugehen.
Beispiel: Ein Kind wächst in einer Familie auf in der beide Eltern noch zusammen leben. Dann kommt eine Krise und die beiden lassen sich scheiden. Bisher hat das Kind in diesem Rahmen und dieser Ordnung gelebt und muss nun lernen dass es auch andere Muster gibt. Vielleicht kannte es diese auch schon vorher aber sie hatten keinen eigenen Bezug. Nun muss sich also der Prozess vollziehen das sich das Kind in einem neuen Rahmen zurecht findet und diesen annimmt. Durch das durchschauen das man eigene Weltsichten hat und andere hat man schon die erste Stufe des Bildungsprozessen abgeschlossen.
Bildung II: Hier befinden wir uns auf dem Weg von der Weltsicht zum Selbstbezug. Denn aus der Erfahrung, die man in Bildungsprozessen I macht- allgemein und vereinfacht gesprochen die Erfahrung, das man die Welt auch ganz anders sehen kann- kann man schließlich auf sich selbst schließen, und zwar auf sich selbst als jemand, der immer und grundsätzlich die Welt so oder so ordnet. (Marotzki, Jörissen, 2008, S. 24) Wir beobachten uns also selber und werden zu Selbstbeobachtern.
Leider habe ich hierfür kein Beispiel. Mit fällt es schwer den ganzen Bereich der Bildung II zu fassen. Ich hoffe ich finde dazu noch später einen Zugang und werden dann hier fortfahren.
Im folgenden sind noch die Aufzeichung aus dem Seminar eingefügt.
Tentativität und Unbestimmtheit:
Möglichkeiten mit Unbekannten umzugehen:
- Allgemeine Regeln bilden Grundlage –> Fremdes/ Neues wird untergeordnet
- Fremdes nicht zu vertrautem machen –>Verzicht auf verstehen
- Neues; Einzefall bildet Grundlage –> Regeln erst suchen
Tentativität im Umgang mit Unbestimmtheit: Regeln finden, die den Umgang mit Neuem verstehbar machen. –> Regeln werden verändert
Tentative Erfahrungsstruktur hält Raum der Unbestimmtheit offen. –>Bildung braucht Unbestimmtheit um felxibel zu bleiben.
Heutige Gesellschaft
Unbestimmtheit muss Platz im Denken finden, da man sich in der Welt orientieren muss. –> Flexibilisierung der Weltsicht
Lernen I: Koppelung eines Reizes an eine Reaktion (Klingel immer Pause)
Lernen II: Reiz-Reaktion nicht starr gekoppelt, sondern Beachtung von Kontexten (–> Klassifizierung) ( Transfer) (Klingel im Kontext–> Pause oder Anfang oder Feueralarm)
Lernen und Bildung
- als unterschieldiche Prozesse
- beim Lernen keine Tentativiät!
- bei Bildung ist Tentativität nötig!
- Veränderung von Ordnungsschemata und Erfahrungsmuster als Bildungsprozess
- Lernen bedeutet erlernen von Kategorieren
- Tentative Weltsicht
- Bildung fängt an (Marotzki) wenn man nicht mehr unter bekannten unterordnet, sonder wenn man das neue einem selber anpasst.
Bildung I: man ist an Gewohnheiten gebunden und reflektier daruch sein eigenes Wissen; verschiedne Arten des Weltbezuges!
Bildung II: Es stößt auf Wiederstände sich von Gewohnheiten zu lösen und neue zu bilden. Kategorien in Frage stellen! Man merkt das man sich immer mit Kategorien beschäftigt; Selbstbezug!
Bildung vs. Lernen: Der felxible Umgang mit den erlenten Rahmungen, den verstanden Kontexten (ich habe verstanden das ich innerhalb der Kontexte und Kategorien flexibel bin, ich kann auch ausserhalb der gewohnten Dinge denken und diese für mich nehmen; Kategorien müssen nicht allgemein gültig sein und können sich auch ändern; etc.)
Einordnung von Marotzki: 1980 Entwurf der strukturalen Bildungstheorie: gesellschaftliche Rahmenbedingungen beobachtet; Individualisrungskrise; Anzahl der Möglichkeiten von Wahlmöglichkeiten wird immer größer.
Hallo Oline,
da ich mich derzeit ebenfalls mit Marotzki beschäftige, bin ich auf deinen Blog gestoßen.
Gern möchte ich dir einige Denkanstöße für “Bestimmtheit” geben: Marotzki sieht unter Bestimmtheit scheinbar das feste, unumstößliche Wissen. Im Bereich der Unbestimmtheit gibt es keine oder kaum Möglichkeiten, die festen Muster aus der Bestimmtheit anzuwenden. Es bedarf einer flexiblen Anwendung von Mustern, d.h. ich muss kreativ werden, um mit Situationen im Bereich der Unbestimmtheit umgehen zu können.
Vielleicht hilft ja diese Ausführung ein wenig
Viele Grüße
Jen